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SchunterNet -> Verein -> Presse -> Braunschweiger Zeitung, 4. November 1998

Studenteninitiative vernetzt Wohnheim in Eigenregie - 250 000 Mark Gesamtkosten

"Wunderbarer Weg der Selbsthilfe"

Selbst mitten in der Nacht arbeiten die Bewohner des Hauses Nummer 1 der studentischen Wohnanlage "An der Schunter" an ihren Computern. Nichts Ungewöhnliches für Studenten, wenn Abgabetermine näherrücken. Doch seit September loggen sich die Bewohner rund um die Uhr über Funk in das Netz des Rechenzentrums der Technischen Universität (TU) ein: zur Nutzung größerer Rechnerkapazitäten oder um via Internet mit dem Rest der Welt zu kommunizieren.

Möglich gemacht hat das der Verein "SchunterNet", eine Initiative von rund 20 Aktiven, die des Lebens ohne Multimedia überdrüssig waren, sowie das Studentenwerk Braunschweig, das den ersten Bauabschnitt für 176 Bewohner mit rund 100 000 Mark unterstützte. Gestern unterzeichneten Reginald Rüther, Geschäftsführer des Studentenwerks, und der Vereinsvorsitzende Ronny Heidenreich eine Erklärung für den weiteren Ausbau des Netzverbundes.

Von April 1999 an sollen die beiden anderen Häuser des Wohnheims ebenfalls angeschlossen werden.

150 000 Mark gewährt das Studentenwerk als zinslosen Kredit. Als kleine Gegenleistung pflegt der Verein die Präsentation des Werks im Internet. "Wir sind froh über den Vertragsabschluß, der zur kompletten Vernetzung führt", so Rüter zur Einweihung des Datennetzes, das eine qualitative Aufwertung der 537 Wohnheimplätze in drei Hochhäusern aus den 60er Jahren bedeute.

Damit die Daten fließen konnten, haben die Vereinsmitglieder einen erheblichen Anteil an Eigenleistung in ihr Vorhaben gesteckt und damit Geld gespart: Leitungswege für neun Etagen klopfen, Löcher bohren, 8000 Meter Kabel ziehen, Netzwerkdosen in den Zimmern anlegen - 1600 Arbeitsstunden innerhalb weniger Monate.

Das beachtliche Engagement der Studierenden, einschließlich der Suche nach Sponsoren, lobte Prof. Dr. Fred Jochen Litterst, Vizepräsident der TU, als "wunderbaren Weg der Selbsthilfe". Das Gefälle bei der technischen Ausstattung an der Hochschule sei groß, erläutert Litterst: "Braunschweiger Schulen gehen eher ans Netz als einige unserer Institute." Durch die Errichtung eigener Arbeitsplätze zuhause würden auch die wenigen Plätze entlastet, die die Universität zur Verfügung stellen kann, erklärte der Leiter des Rechenzentrums der TU, Prof. Hermann G. Matthies.

Zur Zeit sind 82 Nutzer beim Verein angemeldet. Die monatliche Gebühr für den Anschluß beträgt pauschal 19,50 Mark - sehr viel günstiger als andere, kommerzielle Anbieter. Damit sich der Betrieb selbst trägt und der Kredit zurückgezahlt werden kann, müssen 88 Studenten ans Netz.

kwi

Offizielle Einweihung des SchunterNet

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