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Selbst mitten in der Nacht arbeiten die Bewohner des Hauses Nummer 1 der
studentischen Wohnanlage "An der Schunter" an ihren Computern.
Nichts Ungewöhnliches für Studenten, wenn Abgabetermine
näherrücken. Doch seit September loggen sich die Bewohner rund um
die Uhr über Funk in das Netz des Rechenzentrums der Technischen
Universität (TU) ein: zur Nutzung größerer
Rechnerkapazitäten oder um via Internet mit dem Rest der Welt zu
kommunizieren.
Möglich gemacht hat das der Verein "SchunterNet", eine
Initiative von rund 20 Aktiven, die des Lebens ohne Multimedia
überdrüssig waren, sowie das Studentenwerk Braunschweig, das den
ersten Bauabschnitt für 176 Bewohner mit rund 100 000 Mark
unterstützte. Gestern unterzeichneten Reginald Rüther,
Geschäftsführer des Studentenwerks, und der Vereinsvorsitzende
Ronny Heidenreich eine Erklärung für den weiteren Ausbau des
Netzverbundes.
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Von April 1999 an sollen die beiden anderen Häuser des Wohnheims
ebenfalls angeschlossen werden.
150 000 Mark gewährt das Studentenwerk als zinslosen Kredit. Als kleine
Gegenleistung pflegt der Verein die Präsentation des Werks im Internet.
"Wir sind froh über den Vertragsabschluß, der zur kompletten
Vernetzung führt", so Rüter zur Einweihung des Datennetzes,
das eine qualitative Aufwertung der 537 Wohnheimplätze in drei
Hochhäusern aus den 60er Jahren bedeute.
Damit die Daten fließen konnten, haben die Vereinsmitglieder einen
erheblichen Anteil an Eigenleistung in ihr Vorhaben gesteckt und damit Geld
gespart: Leitungswege für neun Etagen klopfen, Löcher bohren,
8000 Meter Kabel ziehen, Netzwerkdosen in den Zimmern anlegen -
1600 Arbeitsstunden innerhalb weniger Monate.
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Das beachtliche Engagement der Studierenden, einschließlich der
Suche nach Sponsoren, lobte Prof. Dr. Fred Jochen Litterst,
Vizepräsident der TU, als "wunderbaren Weg der Selbsthilfe".
Das Gefälle bei der technischen Ausstattung an der Hochschule sei
groß, erläutert Litterst: "Braunschweiger Schulen gehen
eher ans Netz als einige unserer Institute." Durch die Errichtung
eigener Arbeitsplätze zuhause würden auch die wenigen Plätze
entlastet, die die Universität zur Verfügung stellen kann,
erklärte der Leiter des Rechenzentrums der TU, Prof. Hermann G. Matthies.
Zur Zeit sind 82 Nutzer beim Verein angemeldet. Die monatliche Gebühr
für den Anschluß beträgt pauschal 19,50 Mark - sehr viel
günstiger als andere, kommerzielle Anbieter. Damit sich der Betrieb
selbst trägt und der Kredit zurückgezahlt werden kann,
müssen 88 Studenten ans Netz.
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